Geht es im Unterricht um Fächer wie Mathematik oder Physik, schalten viele Schülerinnen und Schüler ab. In der Wirtschaft herrscht darum ein Mangel an Fachkräften im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich.
Hilfe, uns fehlen die Techniker, Ingenieure und Mathematiker: Dies bestätigt ein neuer Bericht zum Ausmass, den Ursachen und den Folgen des Fachkräftemangels im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT), den der Bundesrat Anfang September verabschiedet hat. Besonders ausgeprägt ist der Mangel an Fachkräften in den Bereichen Informatik, Technik und Bauwesen.
Der Bericht zeigt auch: Die Interessen und damit verbunden die berufliche Ausrichtung von Jugendlichen stehen bereits am Ende der obligatorischen Schulzeit praktisch fest. Will man mehr MINT-Fachkräfte, muss das Interesse an technisch-naturwissenschaftlichen Fächern bereits in der Volksschule und im Gymnasium gefördert werden. Doch wie soll das gehen? „Der naturwissenschaftliche Unterricht muss sich auf die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen beziehen“, erklärt der Naturwissenschaftler und ehemalige Gymnasiallehrer Dr. Albert Zeyer. „Zum Beispiel sind Schwingungen und Wellen, von denen in der Physik die Rede ist, eine Grundlage für die Musik. Damit lassen sich interessante Bezüge herstellen.“ Die Schülerinnen und Schüler können Lautstärken messen oder sie verstehen warum Instrumente klingen. So können attraktive und nachvollziehbare Zugänge zu MINT-Themen geschaffen werden.
Meist gibt es in Klassen Schülerinnen und Schüler, die einen direkten Zugang zu den Naturwissenschaften haben. „Andere interessieren sich weniger für diese“, weiss Albert Zeyer. „Von den Lehrpersonen werden sie deshalb oft als unbegabt angesehen. Das muss jedoch nicht sein. Sie haben einfach andere Interessen. Ihr Interesse für technisch-naturwissenschaftliche Themen kann durch spannendenden Unterricht geweckt werden. Das heisst zwar nicht, dass sie diese Fächer später auch studieren werden. Wichtig ist es aber auf jeden Fall, dass alle Schülerinnen und Schüler am Ende der Schulzeit eine gute technische Grundbildung haben.“
Positiv stimmt, dass diese Grundbildung trotz alarmierender Signale nicht ganz verloren gegangen ist und dass die Schulabsolventen die technisch-naturwissenschaftlichen Fächer nicht ganz abgeschrieben haben: An der Universität Zürich zum Beispiel verzeichnet die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät mit fünf Prozent oder 155 Studierenden mehr den grössten Zuwachs. Und erfreulich dabei ist, dass sich vermehrt auch Frauen dieser Studienrichtung widmen.
Othmar Bertolosi
www.naturwisschenschaften.20min.ch
www.studium-schweiz.ch
www.fhnw.ch
www.ingch.ch
Infobox
Eine Brücke zwischen Experten- und Lebenswelt
2008 hat Bundespräsidentin Doris Leuthard erstmals ausgewählte Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung zur Innovationskonferenz geladen. Thema war die Nachwuchsförderung in Naturwissenschaft, Mathematik und Technik. Die Konferenz erarbeitete Massnahmen in folgenden zentralen Bereichen, die den Brückenschlag zwischen Experten- und Lebenswelt erleichtern soll:
Wirtschaft trifft Schule
Projekttage und Patenschaften zwischen Firmen und Schulen fördern den gegenseitigen Austausch und das gegenseitige Verständnis.
Lehrerinnen und Lehrer lernen
Firmen treten in Dialog mit Lehrpersonen. Persönlichkeiten aus der Wirtschaft geben Einblicke in die praktische Bedeutung von MINT-Wissen für ihr Unternehmen.
SimplyScience
Die Internet-Plattform www.simplyscience.ch veranschaulicht die faszinierende Welt von Naturwissenschaften und Technik für die Zielgruppe der 12- bis 16-Jährigen und motiviert sie, sich mit MINT stärker zu beschäftigen.
Weiterführende Informationen:www.naturwissenschaften.20min.chPubliziert am 24. Oktober 2010
Webtech AGHerr Gabriel Aeschbacher
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